Gespräch mit dem Arzt führen bei Verdacht auf Behandlungsfehler

Arztgespräch bei Verdacht auf Behandlungsfehler führen
Ist der Patient der Meinung, dass Behandlungsfehler des Arztes vorliegen, sollte als erstes das Gespräch mit dem Arzt gesucht werden, um den Behandlungsverlauf zu besprechen.

Der erste Schritt, den Patienten gehen sollten, wenn sie sich falsch behandelt fühlen, ist das Gespräch mit dem Arzt zu suchen. Denn in aller Regel erhalten Patienten nur dort eine klare oder zumindest verwendbare Aussage. Patienten müssen heutzutage das Behandlungsrisiko nicht mehr grundsätzlich als Schicksal hinnehmen. Wer glaubt als Laie keine Chance gegen Ärzte zu haben, der irrt.

Konkrete Fragen stellen

Der einzige Weg, konkrete Antworten zu erhalten ist, konkrete Fragen zu stellen. Patienten sollten sich im Detail erläutern lassen, aus welchen Gründen eine falsche Diagnose gestellt wurde, warum eine Therapie nicht angeschlagen hat oder aus welchen Gründen weitere, vorher nicht geplante Eingriffe durchgeführt werden müssen. Patienten sollten immer nach den Dingen fragen, die anders gelaufen sind, als sie hätte laufen sollen. Oft gibt es ganz plausible Erklärungen, die Patienten nachvollziehen können.

Wichtig ist, auf einem Gespräch mit dem behandelnden Arzt zu bestehen. Konkrete Fragen, warum es zu einem Lungenriss nach einer künstlichen Beatmung kam und ein Aufenthalt in der Intensivstation erforderlich wurde, muss der Arzt erklären. Der Arzt ist der Fachmann. Natürlich ist nicht grundsätzlich ein Behandlungsfehler der Grund für einen komplizierten Krankheitsverlauf. Doch das lässt sich nur ausschließen, wenn sich der Betroffene ausreichend über die Umstände informiert. In einem ruhigen und ausführlichen Gespräch mit dem Arzt, in dem der Patienten um Aufklärung bitten kann es passieren, dass ein Arzt möglicherweise einen Fehler zugibt. Eventuell wird der Patient sogar merken, dass der Arzt mit dem Behandlungsverlauf ebenfalls nicht zufrieden ist oder dass der Behandlungsverlauf ihn belastet.

Standpunkt aus Haftungssicht

Oftmals sagen Patienten, dass sie sich niemals auf eine Behandlung eingelassen hätten, wären Ihnen die möglichen Komplikationen vorher bekannt gewesen. Das gilt vor allem dann, wenn dieser Zustand nach dem Eingriff verschlechtert hat. Mit Blick auf das Arzthaftungsrecht wird jedoch zur Beurteilung immer der Zeitpunkt herangezogen, in dem der Patient vor der Maßnahme war. Es geht also nicht darum, ob ein Schaden hätte vermieden werden können (das wäre meistens möglich gewesen) sondern ob der Schaden durch einen Arztfehler entstanden ist.

Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass Patienten und Ärzte gleichermaßen damit rechnen, dass eine Behandlung positiv verläuft. Handelt ein Arzt jedoch gegen ärztliche Standards und damit fehlerhaft, muss er für den Schaden auch explizit geradestehen. Kommt es allerdings zu Komplikationen, obwohl der Arzt im Rahmen der ärztlichen Standards richtig gehandelt hat, so kann er für die entstandenen Folgen nicht verantwortlich gemacht werden.

Fundierte Zweitmeinung hilft bei der Einschätzung eines möglichen Behandlungsfehlers

Das Problem ist die Abgrenzung zwischen einem vermeidbaren Behandlungsfehler und einer Komplikation, die aufgrund eines Behandlungsfehlers schicksalhafte Ausmaße annimmt. Nur ein direktes Gespräch mit dem Arzt kann dabei helfen, das Geschehene wirklich zu verstehen. Wer zusätzlich mit seinem Hausarzt spricht, holt sich eine weitere wichtige fundierte Meinung ein, bei der die Möglichkeit eines Behandlungsfehlers offen angesprochen werden kann und ggf. gemeinsam der Behandlungsverlauf überprüft werden.

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