Behandlungsverlauf bei Verdacht auf Fehler prüfen

Behandlungsverlauf prüfen bei Verdacht auf Behandlungsfehler
Laut BGB sind behandelnde Ärzte dazu verpflichtet, Pantienten über offenbare Behandlungsfehler auf Nachfrage zu informieren. Sollte dies nicht passieren, kann der Behandlungsverlauf überprüft werden.

Das Bürgerliche Gesetzbuch verpflichtet behandelnde Ärzte dazu, Patienten über offenbare Behandlungsfehler auf Nachfrage zu informieren. Festgeschrieben ist das in Paragraph 630c Abs. 2 Satz 2 BGB. Wenn der Patient also nach dem Gespräch mit dem zuständigen Arzt kein zufrieden stellendes Gesprächsergebnis verzeichnen kann, so sollte der Behandlungsverlauf überprüft werden.

Ausnahmen bestehen natürlich bei eindeutiger Sachlage. Hat ein Arzt das Bauchtuch im Bauch des Patienten vergessen oder andere offensichtliche Fehler gemacht, braucht der Behandlungsverlauf nicht geprüft zu werden, da der Fehler ganz offensichtlich ist. Dann haftet der Arzt für seinen Fehler und die Schwierigkeiten, die dem Patienten dadurch entstehen. So einfach ist es in der Praxis jedoch meistens nicht. Die Sachverhalte sind oft viel komplizierter und für die Überprüfung stehen den aufgeklärten Patienten verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung.

Eigenes Gedächtnisprotokoll verfassen

Bevor ein Patient seine Krankenakte prüft, sollte er den Behandlungsverlauf aus dem Gedächtnis heraus aufschreiben. Man kann sich dabei recht gut an den drei großen W-Fragen orientieren:

Wann und Wo hat Wer behandelt

Diesen Behandlungsverlauf sollten Patienten explizit aufschreiben. Es sollte formuliert werden, wie der Sachverhalt aus Patientensicht aussieht, denn der Patient ist am nächsten am Geschehen dran und manche Informationen, die der Patient hat, stehen überhaupt nicht in den Unterlagen. Außerdem hilft das Gedächtnisprotokoll dabei, die Behandlungsunterlagen zu bewerten. Niemand sonst kann so zuverlässige Informationen niederlegen wie der Patient selbst. Im Rahmen einer Behandlungsfehlerprüfung sind Patienten die Informationsquellen, auf die immer wieder zurückgegriffen wird.

Vor dem chronologischen Erfassen des Behandlungsverlaufs sollte der Patient alle aus seiner Sicht relevanten Beobachtungen, Auffälligkeiten und auch mündliche Äußerungen notieren.

Hilfreich sind auch Namen von Zeugen, die später eventuell behilflich sein können. Ganz konkret: Hat beispielsweise niemand auf das Klingeln reagiert und eine Versorgung ist ausgeblieben, sollten Patienten Zeugen benennen, die das bestätigen können. Dies kann zum einen der Zimmernachbar sein, es darf sich aber auch um ein Familienmitglied oder eine befreundete Person handeln. Das Erstellen von Fotos ist ebenfalls ein wichtiger Beweis. Das gilt umso mehr bei Verbrennungen. Im Gedächtnisprotokoll sollten Arztbesuche, Besuche beim Physiotherapeuten etc. mit Ort, Zeitpunkt und beteiligten Personen festgehalten werden.

Behandlungsdokumentation anfordern und sichern

Patienten können nur dann eine vollständige Überprüfung vornehmen, wenn sie Zugriff auf die Behandlungsdokumentation haben. Patienten haben das Recht auf vollständige Einsicht, das steht in Paragraph 630g Abs. 1 BGB. Die Anforderungen von Behandlungsunterlagen kann der Patient selber machen, er kann seine Krankenkasse beauftragen oder auch die Schlichtungsstelle bzw. einen Rechtsanwalt hinzuziehen. Im Zuge dessen muss der Patient den Arzt von der Schweigepflicht entbinden. Patienten dürfen die Behandlungsunterlagen entweder im Original in den Räumen des Krankenhauses oder der Arztpraxis oder in Kopie gegen Erstattung der Kopierkosten einsehen. Kopien sind vorzuziehen, denn diese kann der Patient behalten. Die Kosten, die dabei entstehen, können später im Rahmen des Schadenersatzes geltend gemacht werden.

Sollten Ärzte sich weigern, Einsicht in die Unterlagen zu gewähren, müssen sie das genau erklären. Außerdem müssen sie beweisen, warum ihre ärztliche Schweigepflicht der Einsicht in die Krankenakte zuwiderläuft. Damit kommen Ärzte aber fast nie durch. In aller Regel müssen sie die Unterlagen herausgeben.

Musteranforderung von Behandlungsunterlagen

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit möchte ich Dirk Mesters, wohnhaft im Ruddersiek 65, Kellinghusen und geboren am 15.3.1965 in Hamburg, Deutschland, meinen gesetzlichen Auskunftsanspruch für eine Begutachtung meines Behandlungsverlaufs in Ihrem Hause ausüben. Ich möchte entsprechend meine Behandlungsdokumentation in Kopie anfordern. Ich befand mich vom 23.2. bis 15.4. bei Ihnen in Behandlung.

Es wäre sehr nett, wenn Sie mir die Behandlungsdokumentation kopieren würden. Ich bin gern bereit, die Kosten von 50 Cents für die ersten 50 Kopien und 15 Cents für jede weitere Kopie zu tragen. Außerdem bitte ich um Zusendung der bildgebenden Materialien im Original, die ich gern wieder zurücksenden werde.


Darüber hinaus möchte ich dann um die Bestätigung der Vollständigkeit aller mir zur Verfügung gestellten Dokumente bitten. Mit diesem Schreiben entbinde ich Sie auch ausdrücklich von Ihrer gesetzlichen Schweigepflicht.

Als Termin für die Erfüllung meines Auskunftsanspruchs habe ich den 15.10.2017 notiert und würde mich über Zusendung der kompletten Dokumentation bis zu diesem Tage sehr freuen.

Vielen Dank und freundliche Grüße

Die Terminsetzung im letzten Satz sollten Sie realistisch, d.h. relativ großzügig setzen (z.B. 2-3 Monate), da im Falle einer gerichtlichen Durchsetzung des Auskunftsanspruchs ggf. eine rechtliche Schwierigkeiten entstehen könnten.

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