Begutachtung des ärztlichen Behandlungsverlaufs bei möglichen Behandlungsfehlern

Gutachten über ärztlichen Behandlungsverlauf erstellen lassen
Die Begutachtung des Behandlungsverlauf kann mit einer unabhängiger Patientenberatung, die Verbraucherzentrale oder Patientenvereinigungen erfolgen.

Patienten stehen heutzutage verschiedene Möglichkeiten offen, um einen Behandlungsverlauf überprüfen zu lassen. Meistens kostet das nichts, abgesehen von Zeit und Mühe. Welches Verfahren das richtige ist, sollte jeder nach der Konsultation eines fachkundigen Rechtsanwalts selbst entscheiden. Auch eine unabhängige Patientenberatung, die Verbraucherzentrale oder Patientenvereinigungen helfen an dieser Stelle weiter.

Durchschnittlich werden bei 25-30 % aller zur Begutachtung beauftragten Fälle fehlerhafte Vorgehensweisen festgestellt. Der Patient kann eine Begutachtung beauftragen durch:

  • den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK),
  • durch die Güte- und Schlichtungsstelle der Ärztekammer, sowie
  • mittels Privatgutachten

Begutachtung durch den medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK)

Im fünften Sozialgesetzbuch ist festgeschrieben, dass gesetzliche Krankenkassen ihre Versicherten bei der Überprüfung von Behandlungsverläufen unterstützen müssen. Die einzige Voraussetzung hierzu ist, dass die Behandlung, um die es geht, zum Leistungsumfang der Krankenkasse gehört. Privatpatienten und -patientinnen haben deshalb keinen Zugriff auf die Dienste des MDK. Die Begutachtung durch den MDK Erfolg recht schnell und liegt üblicherweise innerhalb von 3-6 Monaten vor. Kosten entstehen dem Patienten keine. Stellt der MDK ein Behandlungsfehler fest, fordert sie die eigenen Ansprüche gegenüber dem behandelnden Arzt ein.

Was für den Patienten eine gute Lösung ist, kann sich in der weiteren Auseinandersetzung mit den behandelnden Ärzten als Problem erweisen. Denn die Gutachten des MDK werden ihnen oft nicht als Basis zur Einigung anerkannt. Grund hierfür ist, dass den Gutachtern Parteilichkeit unterstellt wird, weil sie im Auftrag der Krankenkasse eingesetzt werden. Ungeachtet dessen ist es in der Praxis üblich, das Patienten ihre Ansprüche zuerst geltend machen. Erst danach wird die Krankenkasse in eigener Sache aktiv.

Das gerichtsfeste medizinische Gutachten

Gutachten durch Güte- bzw. Schlichtungsstelle

Die Güte- oder Schlichtungsstelle gehört zur Ärztekammer. Sie überprüft Behandlungsverläufe und erstellt auf Antrag eines Patienten ein Gutachten. Es gibt insgesamt acht Schlichtungsstellen in Deutschland, die unter verschiedenen Namen auftreten. In Bayern heißt sie „Gutachterstelle”, in Nordrhein-Westfalen „Gutachterkommission“ und in Norddeutschland trägt sie den Namen „Schlichtungsstelle für Arzthaftpflichtfragen“. Ein Verfahren mithilfe der Güte- und Schlichtungsstelle ist in aller Regel für den Antragsteller, also den betroffenen Patienten, kostenlos. Eine Ausnahme gilt in Baden-Württemberg. Hier muss der Patient, der ein Sachverständigengutachten in Auftrag gibt, auch die Kosten tragen.

Grundsätzlich arbeiten alle Güte- bzw. Schlichtungsstellen nach einem vergleichbaren Prinzip. Der Patient beantragt ein Verfahren. Dazu reicht er sein Gedächtnisprotokoll ein und erläutert, warum er der Meinung ist, dass ein Behandlungsfehler gemacht wurde. Die Güte- bzw. Schlichtungsstelle nimmt Kontakt zum Antragsgegner auf und setzt die Bearbeitung in Gang. Der betroffene Arzt kann immer noch ablehnen und damit das Verfahren ausbremsen. Das passiert meist dann, wenn ein Arzt davon überzeugt ist, keinen Behandlungsfehler gemacht zu haben. Statistiken zeigen, dass das überwiegend im ambulanten und nicht im stationären Bereich passiert. Kliniken stimmen so gut wie immer einem Verfahren zu.

Die Schlichtungsstelle fordert nun alle notwendigen Unterlagen an und beauftragt einen Gutachter, der die Aktenlage prüft und seine Einschätzung formulier. Die Schlichtungskommission bezieht aufgrund dessen Stellung.

Die Kommission besteht aus Ärzten und Juristen und sie kommen in aller Regel zum selben Schluss, wie der Gutachter – zwingend ist das allerdings nicht. Abweichungen können auftreten, weil juristische Beurteilung und medizinische Einschätzung gelegentlich nicht deckungsgleich sind. Das Verfahren über die Güte- bzw. Schlichtungsstelle dauert 1 bis 1,5 Jahre. Der positive Aspekt an diesem Weg ist, dass zwei voneinander unabhängige Stellen den Sachverhalt beurteilen. Nachteilig ist allerdings, wenn die Bewertung negativ ausfällt. Danach wird eine außergerichtliche Einigung für den Patienten fast nicht mehr möglich.

Privatgutachten

Kostenpflichtige Privatgutachten können von jedem Patienten beauftragt werden. Sie beurteilen einzelne medizinische Fragen und schätzen auch die Kausalität zwischen Fehler und Schaden ein. Privatgutachten können zum Beispiel von einem niedergelassenen Facharzt oder auch vom Chefarzt einer Universitätsklinik sowie von allen anderen Ärzten erstellt werden, die sich dazu berufen fühlen.

Der Wert eines Gutachtens ist entsprechend unterschiedlich. Privatgutachter, die nur selten Gutachten erstellen, wissen oftmals nicht um die rechtlichen Konsequenzen ihrer Niederschrift. Für komplexe Sachverhalte ist deshalb nur ausnahmsweise ein Privatgutachten zu beauftragen und dann auch nur, wenn über die Seriosität und Rechtssicherheit des Gutachters keinerlei Zweifel bestehen. Wenn es hingegen um überschaubare Sachverhalte wie die Beurteilung eines Röntgenbildes oder eines Histologischen Befundes geht, kann ein zweites Urteil von einem Fachmann derselben medizinischen Richtung manchmal ausreichend sein, um erfolgreich gegen einen Behandlungsfehler vorzugehen.

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