Außergerichtliche Einigungsmöglichkeiten bei Ärztepfusch

Außergerichtliche Einigungsmöglichkeiten bei bewiesenen Behandlungsfehlern ist beste Option
Außergerichtliche Einigungen oder Schlichtungsverfahren zwischen nachweislich fehlerhaft behandelndem Arzt und dessen Haftpflichtversicherung und Geschädigtem sind finanziell meinst vielversprechender als gerichtliche Klagen.

Sobald der Rechtsanwalt geklärt hat, ob dem Geschädigten Schadensersatz bzw. Schmerzensgeld zusteht und gegen wen sich der Anspruch richtet, macht der Anwalt diese Ansprüche gegenüber dem festgestellten Gegner geltend und setzt dabei eine Frist. Im Rahmen des so genannten außergerichtlichen Anspruchsschreibens wird in allen Einzelheiten erläutert, wie sich der Sachverhalt darstellt. Außerdem wird der Tatbestand bewertet. Die Bewertung inkludiert eine Begründung darüber, wo aus Sicht des Geschädigten der Fehler liegt und welcher Schaden dieser verursacht hat. Hinzu kommt die beweisrechtliche Würdigung.

Mit Geduld das langfristige Ziel vor Augen behalten

Im Rahmen des ersten außergerichtlichen Anspruchsschreibens sollte man noch nicht beziffern, wie hoch ein Schadens- oder Schmerzensgeldanspruch ausfallen soll. Hierbei geht es um reine Taktik. Zu früh geäußerte Zahlen können eine sachliche Auseinandersetzung sehr schnell auf die emotionale Ebene führen, was meistens der Fall ist, wenn es um Schadenersatz und Schmerzensgeld geht. Stattdessen ist es empfehlenswert, dem betreffenden Gegner ausdrücklich dazu aufzufordern, die Haftpflichtversicherung über den Schaden zu informieren. Auf diese Weise kann die Haftpflichtversicherung des Arztes über die Ansprüche entscheiden. Die Praxis zeigt, dass auf ein außergerichtliches Anspruchsschreiben nur selten in der gesetzten Frist reagiert wird, so dass eine Erinnerung regelmäßig notwendig ist.

Wer sich auf die außergerichtliche Einigung konzentriert, sollte möglichst viel Geduld und Beharrlichkeit mitbringen, um diesen Weg zielführend weiter zu beschreiten. Sehr schnell ist zu den gerichtlichen Schritten gewechselt, die die Fronten erfahrungsgemäß jedoch eher verhärten, als aufweichen. Natürlich ist zu verstehen, dass der Patient schnell die Geduld verliert, doch das führt nicht zum Ziel. Die Wege, die vor der Stellungnahme des behandelnden Arztes gegangen werden müssen, sind oft sehr lang:

  • Das außergerichtliche Anspruchsschreiben muss zunächst der Haftpflichtversicherung vorgelegt werden.
  • Diese fordert dann den Arzt zu einer Stellungnahme auf. Ist der Arzt bei einem Krankenhaus angestellt, schaltet sich noch der Zwischenschritt der Verwaltung ein. Dabei lässt der Abteilungsleiter den Vorgang prüfen und arbeitet selber an der Stellungnahme mit. Erst wenn alle Beteiligten ihr Okay gegeben haben, wird die Stellungnahme an die Verwaltung zurückgeleitet, die dieses dann an die Versicherung gibt.
  • Die Versicherung wiederum prüft, ob diese Stellungnahme ausreicht und stimmt möglicherweise noch Details mit ihrem Versicherten ab.

Anhand dieser kurzen Übersicht können Betroffene erkennen, wie langwierig die Stellungnahme tatsächlich werden kann.

Außergerichtliche Einigung bei Behandlungsfehlern ist sinnvoll

Die Haftpflichtversicherung des Arztes wird dem Geschädigten in aller Regel einen Vorschlag zur weiteren Vorgehensweise machen. Wenn sie die Bereitschaft signalisiert, einen Vergleich zu schließen, dann ist es Zeit, die Ansprüche zu beziffern. Die Pflichtversicherung wägt alle Risikofaktoren gegeneinander ab und macht einen Gegenvorschlag zur Einigung.

Rein formal erfolgen außergerichtliche Einigung fast nie so, dass Behandlungsfehler schriftlich anerkannt werden. Im Ergebnis macht das für den Geschädigten jedoch keinen Unterschied. Einigt sich die Haftpflichtversicherung mit dem Geschädigten auf eine Summe, dann spielt es keine Rolle, ob der Haftungsgrund schriftlich anerkannt wurde oder nicht.

Gelegentlich kommt es auch vor, dass die Haftpflichtversicherung vorschlägt, den Sachverhalt über ein Schlichtungsverfahren zu regeln oder einen externen Gutachter einzuschalten. Der Rechtsbeistand des Geschädigten sollte im Einzelfall prüfen, welcher Weg aus welchen Gründen am aussichtsreichsten ist.

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