Aufdeckung von Ärztepfusch,Schadensersatzansprüche,Wege zu Ihrem Recht,Vorbeugung von Behandlungsfehlern Ärztepfusch - Ihr Recht bei Behandlungsfehlern
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Ursache und Vermeidung von Behandlungsfehlern bzw. Ärztepfusch

Vorbeugung von Behandlungsfehlern
Wir Ärzte als auch Patienten möglichen Behandlungsfehlern vorbeugen können.

Das Gesundheitssystem ist in ein enges finanzielles Korsett geschnürt. Das macht es anfällig für Fehler. Aufwändige Qualitäts-Management-Systeme sollen das vermeiden. Doch das alleine reicht nicht. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Kommunikation zwischen allen Beteiligten. Dazu gehören Ärzte, Pfleger, Therapeuten, Patientinnen und Patienten. Jeder Arzt ist in ein System eingegliedert, das generell nicht fehlerfrei läuft. Jeder kann Fehler machen und auch Ärzte gehören dazu.


Die Pflichten der Ärzte

Jeder Arzt hat ein Gelöbnis abgelegt, den hippokratischen Eid. Dieser besagt, dass der Arzt sein Leben in den Dienst der Menschlichkeit stellt. Er gelobt, seinen Beruf gewissenhaft und mit Würde auszuüben und als oberstes Gebot des Handels werden der Erhalt und die Wiederherstellung der Gesundheit des Patienten bezeichnet. Auch das Gesetz definiert die Berufsausübungsübung von Ärzten ganz klar. In § 1 der Berufsordnung für Ärzte steht sinngemäß, das Ärzte Leben erhalten, Gesundheit schützen und diese wiederherstellen müssen. Sie verpflichten sich dazu, Leiden zu lindern, Sterbenden Beistand zu leisten und natürliche Lebensgrundlagen im Hinblick auf die Bedeutung für die Gesundheit eines Patienten aufrecht zu erhalten. Mit diesen Formulierungen sind die Pflichten der Ärzte recht treffend beschrieben. Doch wie sieht es mit den Pflichten der Patienten aus?

Pflichten von Patienten

Während Ärzte sich eine Reihe von beruflichen Vorschriften verpflichtet haben, ist die Position des Patienten nicht so klar geregelt. Es gibt einen Gesetzesentwurf zum neuen Patientenrecht, in dem der mündige Patient als Leitbild Vorrang vor der Bevormundung gut meinender Pflegekräfte, Therapeuten und Ärzten hat. Ein Verhältnis auf Augenhöhe soll geschaffen werden. Das impliziert auch, dass der Patient im Rahmen der Behandlung mit dem Arzt zusammenarbeitet. Auf dieser Basis kann sich ein Vertrauensverhältnis begründen und wachsen, damit eine möglichst optimale Behandlung erreicht wird. Patient und Arzt sollen die Partner zusammenarbeiten. Doch vor dem Hintergrund der Ökonomie lässt sich diese Idealvorstellung kaum umsetzen. Die Realität sieht anders aus, als es die Theorie vorgibt.

Die Realität der Ärzte

Ein niedergelassener Hausarzt erhält pro Patient pro Quartal zwischen 35 € und 50 €. Mit diesem Betrag soll quasi alles abgedeckt sein. Der Arzt erhält nicht mehr, wenn ein Patient öfter erscheint und auch nicht weniger, wenn der Patient keinen Termin macht. Im Durchschnitt ist jeder Patient 4 bis 5 Mal pro Quartal beim Arzt. Statistisch betrachtet hat der Arzt insgesamt eine knappe halbe Stunde pro Quartal für einen Patienten Zeit, das macht pro Arztbesuch durchschnittlich 5 Minuten aus. Der Hausarzt steht also grundsätzlich unter einem hohen Zeitdruck, der durch die finanziell festgezurrten Rahmenbedingungen der gesetzlichen Krankenkassen gefördert wird. Ein Hausarzt kommt bei einer 60-Stunden-Woche auf ein Gehalt, was unterm Strich dem eines mittleren Angestellten entspricht. Sein Risiko ist gleichwohl extrem viel höher. Die Verhältnismäßigkeit bleibt hier auf der Strecke.

Ein Arzt im Krankenhaus sieht sich einer anderen Situation gegenüber. Hier ist ein gewisser Umsatz gefragt. Übersteigt der Umsatz die Grenze, wird dem Arzt ein Bonus ausgezahlt. Letztendlich wird Masse gefordert. Je mehr Operation ein Arzt macht, desto deutlicher schlägt sich das auf der Gehaltsabrechnung des Arztes nieder. Zur weiteren Kosteneinsparungen fördern Krankenhäuser ambulante Eingriffe, damit noch mehr Patienten durchgeschleust werden können. Diese Situation wirkt sich nicht förderlich auf die Vermeidung von Behandlungsfehlern aus.

Hinzu kommt die schlechte Bezahlung von angehenden Krankenhausärzten. Ein Allgemeinmediziner befindet sich fünf Jahre in Ausbildung (Arzt im Praktikum) und erhält dabei weniger monatlichen Lohn als ein Busfahrer. Doch bevor er diesen geringen Lohn bekommt hat er bereits drei Jahre in ein Abitur investiert und zwölf Semester studiert – ohne einen Pfennig Geld zu bekommen. Ist das gerecht? Die Konsequenz ist jedenfalls, dass Nachwuchsmangel herrscht und dass die bürokratischen und ökonomischen Stellschrauben nicht dazu beitragen, eine gesundheitsfördernde Atmosphäre zu schaffen.

Die Realität der Patienten

Patienten sollen mit Ärzten auf Augenhöhe kommunizieren. Wie soll das denn funktionieren wenn ein Laie mit einem Fachmann zusammentrifft? Wenn der Arzt keine Zeit hat sich auf einen Patienten einzulassen, ist es schwierig, eine vertrauensvolle Basis zu begründen. Patienten haben eine große Erwartungshaltung. Sie gehen davon aus, dass jede einzelne Störung seiner Befindlichkeit diagnostiziert und therapiert werden muss und zwar möglichst schnell. Patienten fordern Untersuchungen ein und sind ungeduldig.

Beispiel: Die Statistiken zeigen, dass sich die Anzahl von Rückenoperationen innerhalb der letzten fünf Jahre fast verdoppelt hat. Patienten nehmen lieber eine Rücken-OP in Kauf, weil damit in Aussicht gestellt ist, innerhalb weniger Wochen schmerzfrei zu sein, als ihr Übergewicht langfristig und in Eigenverantwortung abzubauen. Die Kosten für eine Rücken-OP liegen bei rund 12.000 €. Damit ließe sich übrigens eine konservative Behandlung bestehend aus Phytotherapie und Gewichtsreduktion über mehrere Jahrzehnte finanzieren. In Anbetracht der ständig steigenden Eingriffszahlen vor dem Hintergrund der engen zeitlichen und unglücklichen finanziellen Rahmenbedingungen ist der Anstieg von Behandlungsfehlern fast nicht zu vermeiden. Doch es gibt einen Ansatz, bei dem jeder Beteiligte Verantwortung übernimmt: Ärzte, Patienten und Pflegepersonal müssen kommunizieren.

Kommunikation in einem Krankenhaus

Die Kommunikation steht an oberster Stelle bei der Vermeidung von Behandlungsfehlern. Es muss verhindert werden, dass Patienten verwechselt, Instrument vergessen oder ein falsches Bein operiert wird. Bei Untersuchungen stellt sich immer wieder heraus, dass vor allem die fehlende Kommunikation der Behandler mit dem Personal für die entstandenen Fehler verantwortlich gemacht werden muss.

Die Behandlungsfehler begründen sich aus:

  • Überforderung,
  • aus typischer Selbstüberschätzung oder
  • fehlender Teamfähigkeit.

Strukturell betrachtet müssen Pflegekräfte weitergebildet werden, damit sie den wachsenden Anforderungen gerecht werden können.

Pragmatische Lösungsansätze in aufgeschlossenen Kliniken mit vergleichsweise geringer Behandlungsfehlerquote sehen so aus:

  • Gegen Verwechslungen werden Namensschilder am Handgelenk des Patienten angebracht.
  • Bei der Medikamentengabe verwenden Schwestern und Pfleger eine Checkliste.
  • Es gibt ein zentrales Logbuch, in dem Informationen von Ärzten, Patienten und Pflegepersonal abgelegt werden. Diese dienen dazu, die Beteiligten über den neuesten Sachstand zu informieren.

Im Idealfall arbeiten alle Beteiligten zusammen. Ärzte, Pfleger und Patienten bilden ein Team in dem jeder Informationen weitergibt, weil jeder Verantwortung trägt. Pfleger und Schwestern müssen Auffälligkeiten berichten, Ärzte müssen regelmäßig behandeln und im Krankenhaus durch tägliche Anwesenheit sicherstellen, dass sie ein aktuelles Bild vom Gesundheitszustand des Patienten haben. An erster Stelle steht also die Kommunikation, die als oberstes Ziel das Wohl des Patienten im Auge hat.

Kommunikation in einer Arztpraxis

Zur Vorbeugung gegen Behandlungsfehler sollten Patienten beim Arzt mündig auftreten. Sie sollten freundlich nachfragen, wenn Sie etwas nicht verstehen und aktiv an der Behandlung teilnehmen. Mündige Patienten geben einem Arzt alle notwendigen Informationen, die er zur Behandlung benötigt. Dazu gehören zum Beispiel Diagnosen anderer Ärzte und eine Aufstellung verschriebener Medikamente. Sollte ein Arzt sich in der Kommunikation mit dem Patienten nicht darauf einlassen, alle notwendigen Informationen auszutauschen, sollte das dem Patienten zu denken geben.

Bevor ein Patient in ein Krankenhaus eingewiesen wird, sollte er sich über die Klinik informieren. Im Zweifel muss man sich eine zweite Meinung einholen. Patienten sollten Ärzte fragen, warum eine bestimmte Fachklinik ausgewählt wurde. Man kann bei der Krankenkasse Erkundigungen über die empfohlene Klinik einholen und prüfen, ob eine Klinik zertifiziert oder spezialisiert ist. Patienten können nach dem Operateur fragen und nachhaken, wer als Ansprechpartner zur Verfügung steht. Falls dennoch ein ungutes Bauchgefühl bleibt weil beispielsweise das Zimmer nicht bezugsfertig ist oder andere auffällige Schwächen in der Hygiene oder Organisation erkennbar sind, sollten Patienten gehen und eine Alternative suchen. Gesundheit gibt es nicht auf Rezept und jeder Patient kann dazu beitragen.

 

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Hinweis:
Die vorliegenden Empfehlungen wurden nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt. Wir übernehmen keine Verantwortung für die Richtigkeit und Vollständigkeit der angebotenen Informationen, inbesondere auch nicht für die positiven oder negativen Konsequenzen der Befolgung oder Nichtbefolgung unserer Informationen. Betroffene sollten immer den Gang zum Rechtsanwalt wählen, um sich eine individuellen Einschätzung der eigenen Lage zu machen und über die aktuelle Rechtslage.