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Kausalität: Zusammenhang zwischen Behandlungsfehler und Schaden

Kausalität zwischen fehlerhafter Behandlung und Schaden des Patienten
Ein klarer Zusammenhang zwischen fehlerhafter Behandlung und Schaden des Patienten ist eine Grundvoraussetzung für mögliche Ansprüche auf Schadensersatz und Schmerzensgeld

Das Ziel von geschädigten Patienten ist, eine Entschädigung für die fehlerhafte Behandlung durch den Arzt zu erlangen. Welche Schäden allerdings die Folge eines Behandlungsfehlers sind, ist aufgrund der Komplexität nur schwer zu klären.

Ausgehend davon, dass einem Arzt ein Behandlungsfehler nachgewiesen werden kann, kann sich folgende Situation ergeben. Der Behandlungsfehler besteht zum Beispiel darin, dass der Arzt den Patienten nicht aufgeklärt oder fehlerhaft behandelt hat. Das alleine reicht noch nicht, um einen Schadenersatz zu begründen. Dafür ist es notwendig, dass der Fehler die Ursache für den Schaden ist. Wenn also grundlegend geklärt ist, dass ein Behandlungsfehler vorliegt, dann muss der Patient im nächsten Schritt nachweisen, dass dieser Behandlungsfehler seine Gesundheit geschädigt hat.


Erlittenen Schaden feststellen

Die Verletzung oder den Schaden, den ein Patient davongetragen hat, bemerkt dieser sofort. Das ist auch häufig der Grund, dass ein Patient dazu neigt, den Behandlungsverlauf überprüfen zu lassen. Wenn zum Beispiel ein Krankenhausaufenthalt von drei Tagen geplant war, daraus aber drei Wochen werden weil statt einer Operation mehrere Eingriffe durchgeführt wurden, dann ist nicht schwer zu beweisen, dass es dem Patienten nach der Operation schlechter ging als vorher. Das ist allerdings nur ein gedanklicher Zwischenschritt.

Für den Juristen stellt sich der Sachverhalt aus einem anderen Blickwinkel dar. Der Schaden ergibt sich aus dem Unterschied zwischen dem aktuellen Zustand des Patienten und dem typischen Sollzustand. Der Sollzustand ist der Zustand, in dem der Patient sich befinden müsste, wenn der schädigende Behandlungsfehler nicht passiert wäre.

Sollzustand mit Istzustand vergleichen

Den Sollzustand festzustellen ist eine der größten Schwierigkeiten, die sich im Kampf um den Schadenersatz stellt. Grund hierfür ist, dass ein Arzt einen Heilungserfolg nicht garantieren kann. Deshalb ist der Behandlungsvertrag, den der Arzt mit dem Patienten schließt übrigens auch kein Werkvertrag, der das Liefern einer ganz bestimmten Leistung schuldet. Fakt ist, dass jede ärztliche Behandlung mit Komplikationen verbunden ist, die die Lebensqualität eines Patienten langfristig beeinträchtigen kann. Selbst wenn eine Therapie korrekt durchgeführt wird, drohen immer Komplikationen, die den Patienten schädigen könnten. Eine Garantie für einen idealen Behandlungsverlauf gibt es nicht. Die meisten Gutachter haben deshalb große Schwierigkeiten, juristische Fragen nach dem Sollzustand, also nach dem Ergebnis eines fehlerfreien Behandlungsverlaufs, zu beantworten.

Was wäre ohne den Behandlungsfehler passiert? Oftmals reagieren die Gutachter ausweichend auf diese Frage und stellen fest, dass „mit großer Wahrscheinlichkeit“ bei fehlerfreier Behandlung kein Schaden entstanden wäre. Allerdings hätte es mit „sehr geringer Wahrscheinlichkeit“ auch ohne einen Behandlungsfehler zu denselben Komplikationen kommen können. Unterm Strich bedeutet es, dass es nicht auszuschließen ist, dass Schäden trotz einer fehlerfreien Behandlung aufgetreten wären.

Ein Beispiel: Nach einer Operation oder nach Unfällen erhalten Patienten Medikamente, um eine Thrombose zu vermeiden. Diese Medikamente können eine Thrombose nicht zu 100 % ausschließen, sie können lediglich die Wahrscheinlichkeit verringern, dass es zu einer Thrombose kommt. Begeht nun ein Arzt den Behandlungsfehler und versäumt es, seinem Patienten die Thrombose-Prophylaxe-Medikamente zu verschreiben, dann bedeutet das, dass durch seinen Fehler das Thrombose-Risiko für den Patienten erhöht war. Die Frage ist jedoch: Wäre das Risiko vermeidbar gewesen, wenn das Medikament verschrieben worden wäre? Hierzu können Gutachter generell keine klare Aussage machen. Die können lediglich eine Wahrscheinlichkeit angeben. Die für die Juristen relevante Frage, ob ein konkreter Patient keine Thrombose bekommen hätte, kann also faktisch nicht beantwortet werden. Der Patient kann nicht nachweisen dass er keine Thrombose bekommen hätte, wenn er das Medikament eingenommen hätte.

Fazit

Der Patient muss vor Gericht beweisen, dass es ausgeschlossen wäre, den verursachten Schaden zu erleiden, wenn der Fehler nicht passiert wäre.

Der Ursachenzusammenhang zwischen dem Behandlungsfehler und dem entstandenen Schaden wird Kausalität genannt. Ein Patient muss zweifelsfrei nachweisen, dass der Fehler mit höchster Wahrscheinlichkeit den Schaden verursacht hat, unter dem er leidet. Im Umkehrschluss heißt das, ein Patient muss vor Gericht beweisen, dass es ausgeschlossen wäre, den verursachten Schaden zu erleiden, wenn der Fehler nicht passiert wäre. Gelingt es nicht, den Ursachenzusammenhang (die Kausalität) zweifelsfrei zu belegen, verlieren Patienten den Prozess. Hier gilt immer noch der Grundsatz: „Im Zweifel für den Angeklagten.“

 

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Hinweis:
Die vorliegenden Empfehlungen wurden nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt. Wir übernehmen keine Verantwortung für die Richtigkeit und Vollständigkeit der angebotenen Informationen, inbesondere auch nicht für die positiven oder negativen Konsequenzen der Befolgung oder Nichtbefolgung unserer Informationen. Betroffene sollten immer den Gang zum Rechtsanwalt wählen, um sich eine individuellen Einschätzung der eigenen Lage zu machen und über die aktuelle Rechtslage.