Ärztepfusch – Medizinische Eingriffe steigen an, Patientengeduld sinkt

Ärztepfusch – Medizinische Eingriffe steigen an, Patientengeduld sinkt

Es ist ein allgemeiner Trend festzustellen, dass die Anzahl von Operationen und Eingriffen sowie verordneten Therapiemaßnahmen zugenommen hat. Im gleichen Zeitraum hat allerdings auch die Geduld der Patienten spürbar abgenommen. Ganz egal, welche Art ärztlicher Leistungen im Fokus steht, Betroffene und Angehörige hinterfragen diese oftmals sehr kritisch. Das passiert nicht nur dann, wenn offenkundig ein Schaden entstanden ist – zum Beispiel wenn der Arzt das OP-Besteck im Bauchraum vergessen hat – sondern auch dann, wenn der erhoffte und erwartete Behandlungserfolg nicht eintritt. Die Distanz zwischen Mediziner und Patient ist größer geworden. Es ist nicht mehr an der Tagesordnung, dass ein ausgeglichenes Vertrauensverhältnis besteht. Und wenn das Vertrauen fehlt, neigen Patienten dazu, Behandlungsergebnisse anzuzweifeln und juristisch aufarbeiten zu lassen.

Ärztepfusch oder Behandlungsfehler

Im Laufe der letzten Jahre hat sich der Blick auf den Arzt geändert. Während zunächst von einem Kunstfehler die Rede war – man sprach schließlich von der Kunst des Arztes – änderte sich der Begriff zum Behandlungsfehler. Patienten betrachteten den Arzt als einen Dienstleister, der dem Patienten eine Behandlung schuldet. Nun ist der Begriff Ärztepfusch an der Tagesordnung, was den Gedanken an ein Handwerk etabliert. Der Arzt ist also von einem Künstler, für den eine rechtliche Schuldzuweisung fremd ist, zum Handwerker geworden, von dem der Patient das Gut der Gesundheit einfordern kann.

Arzthaftungsrecht

Das Arzthaftungsrecht regelt effizient die Vermeidung von Fehlern. Ein Patient muss nicht mehr klaglos einen Schaden akzeptieren, der durch einen möglicherweise zu vermeidenden Fehler in der Behandlung entstanden ist. Die Schadenregulierung sollte in der Tat zu einer Selbstverständlichkeit werden, genauso wie in anderen Berufssparten. Im Gegenzug müssen Patienten anerkennen, dass Ärzte Menschen sind und Menschen Fehler machen. Diese wechselseitige Beziehung sollte die Basis für eine funktionierende Kommunikation sein. Behandlungsfehler passieren in allen Gebieten der Medizin. Allerdings hat sich ein deutlicher Schwerpunkt in der Chirurgie, der Orthopädie und der Gynäkologie ausgebildet. Grund hierfür ist, dass die Patienten nach einer Operation sehr schnell wahrnehmen, ob eine Behandlung angeschlagen hat oder nicht.

Behandlungsverlauf prüfen

Es gibt keine klaren Regeln, nach denen Krankheiten oder Heilungsprozesse verlaufen. Krankheitsverläufe sind oftmals nicht vorhersehbar. Es stimmt, eine Garantie für den Heilungserfolg kann niemand erwarten und zuweilen kann sich der Zustand eines Patienten auch verschlechtern – und das obwohl der behandelnde Arzt keinen Fehler gemacht hat. Die Krankheit selbst bringt Risiken und Unwägbarkeiten mit sich und schließlich ist jeder menschliche Organismus individuell und reagiert unterschiedlich.

Es ist also unzulässig allein aus der Tatsache, dass der Behandlungsverlauf von der ursprünglichen Planung abgewichen ist, konkret auf einen Behandlungsfehler zu schließen. Aber es ist ein Ansatz, um dem behandelnden Arzt zu fragen, ob ein fehlerhaftes Verhalten oder eine nicht vorhersehbare Komplikation der Grund hierfür ist. Wer sich in ärztliche Behandlung begibt, tauscht das Krankheitsrisiko gegen das Behandlungsrisiko ein. Schäden wie Blutungen, Nervenverletzungen oder Infektionen können auftreten, selbst wenn große Sorgfalt angewandt wurde. Daneben können aber auch Behandlungsfehler vorliegen, wenn so etwas passiert.

Dokumentationspflicht der Behandler

Ärzte, Pfleger und Therapeuten müssen jeden einzelnen Schritt ihrer Tätigkeit dokumentieren. Anhand der Dokumentationsunterlagen lässt sich dann anhand der Informationen der Krankengeschichte, Diagnose, Therapie, Medikation, Arztbriefe und der anderen Dokumente in der Krankenakte der Behandlungsverlauf prüfen. Patienten tun gut daran, im Vorfeld ein Gedächtnisprotokoll zu erstellen.

Ergibt sich aus der Überprüfung der Krankenakte der Verdacht, dass ein Behandlungsfehler vorliegt, dann sollten Betroffene einen Rechtsbeistand aufsuchen. Der Rechtsanwalt kann den Sachverhalt der Kausalität näher beleuchten. Damit ist der Zusammenhang zwischen einem Behandlungsfehler und dem entstandenen Schaden gemeint. Vor diesem Hintergrund lassen sich die nächsten sinnvollen Schritte einleiten. Dabei ist es meist nicht zielführend, einen Arzt strafrechtlich zu verfolgen, um ihm seine Approbation zu entziehen, sondern es ist aus verschiedenen Gründen ratsam, den zivilrechtlichen Weg zu beschreiten.

Schmerzensgeld und Schadenersatz

Zunächst einmal ist eine außergerichtliche Einigung zwischen der Haftpflichtversicherung des Arztes und dem Patienten generell anzustreben. Schmerzensgeld und Schadensersatzforderungen sind auf dieser Ebene angesiedelt. Und das ist es, um das es den meisten Betroffenen geht. Sie wollen für den erlittenen Schaden Genugtuung und Entschädigung. Falls es nicht gelingt, sich auf die außergerichtlichen Möglichkeiten zu verständigen – das können auch Schlichtungsverfahren über die Krankenkasse oder eine andere neutrale Stelle sein – stehen dem Geschädigten gerichtliche Möglichkeiten offen. Diese sollten jedoch nicht überhastet eingeleitet, sondern in aller Ruhe und im Detail mit einem versierten Fachanwalt für Arzthaftung ausgearbeitet werden.

Ausnahmeregeln: Zahnarzthaftung und ausländische Ärzte

Ein Spezialfall ist übrigens die Zahnarzthaftung. Im Unterschied zu den typischen ärztlichen Behandlungen gibt der Zahnarzt eine Gewährleistung auf seine Leistungen. Treten Mängel auf, muss er nachbessern. Wenn es also im Rahmen des Zahnersatzes zu gesundheitlichen Problemen kommt, können Betroffene zunächst um Nachbesserung bitten.

Ein weiterer Sonderfall ist die Behandlung durch Ärzte mit Sitz im Ausland. Das Risiko dass die Kosten für einen Arztbesuch von der gesetzlichen Krankenkasse in Deutschland nicht übernommen werden, besteht. Doch es gibt auch Möglichkeiten sich im Vorfeld über die Kostenübernahme von Behandlungen abzusichern. Geschieht allerdings bei diesen Behandlungen ein Fehler, werden Betroffene die Kosten für eine gerichtliche oder außergerichtliche Auseinandersetzung im Ausland selber tragen müssen. Rechtsschutzversicherungen, die diese Risiken tragen, gibt es zurzeit nicht.

Gegen Behandlungsfehler vorgehen kostet Geld

Grundsätzlich ist das Themenfeld von Behandlungsfehlern komplex. Ohne einen versierten Fachanwalt haben Patienten kaum eine Chance, zu ihrem Recht kommen. Die Schwierigkeiten beginnen schon damit, die Haftungsfrage zu klären. In den verzweigten Konstrukten von Krankenhäusern, Trägern, Belegärzten und Pflegediensten überschneiden sich die Rechtsbezüge und müssen detailliert auseinander dividiert werden. Nur wer den richtigen Ansprechpartner kennt und sicher weiß, wer für einen eventuellen Behandlungsfehler haftbar gemacht werden kann, kann seine Ansprüche an der richtigen Stelle geltend machen. Das hat Einfluss auf den Fristlauf, Verjährung oder gesetzliche Hemmungen.

Da eine Einigung auf außergerichtlicher Ebene ein sensibles Feld ist, bei dem mit Sachverstand und argumentativ geschickt vorgegangen werden sollte, ist Geduld gefragt. Ein guter Fachanwalt kostet Geld, auch und gerade bei der Klärung außergerichtlicher Fragen. Kommt es jedoch zum Prozess, steigen die Kosten sprunghaft an. In Abhängigkeit vom Gegenstandswert (das ist in der Regel die Summe, um die es im Prozess geht) werden Honorare festgelegt. Ohne eine gute Rechtsschutzversicherung kann eventuell die Prozesskostenbeihilfe oder ein Prozessfinanzierer bemüht werden. Im schlimmsten Fall jedoch bleiben Betroffene auf den Kosten sitzen.

Was Betroffene tun können, welche Wege sie im Detail beschreiten und wie sie eine außergerichtliche Klärung im Vorfeld günstig beeinflussen können, ist auf diesen Seiten zusammengestellt.