Ärztepfusch

Wenn vom Ärztepfusch die Rede ist, dann erhitzen sich die Gemüter und fast jeden überkommt ein ungutes Gefühl.

ÄrztepfuschWas ist Ärztepfusch?

Meist kennt auch jeder ein eigenes Beispiel von Ärztepfusch, entweder aus eigenem Erleben oder aus Erzählungen anderer. Dabei wir schnell deutlich, dass gar nicht so klar ist wovon die Rede ist wenn man vom Ärztepfusch spricht.

Der eine sagt Ärztepfusch, ein anderer Kunstfehler, wieder einer Behandlungsfehler. Alles meint gefühlt dasselbe: Man ist mit dem Ergebnis einer Behandlung nicht zufrieden. Während noch vor Jahren sehr viel häufiger vom Kunstfehler die Rede war, greift man heute mit dem Begriff Ärztepfusch sprachlich zu schwereren Geschützen. Bemerkenswert ist, das dies in einer Zeit geschieht in der die ärztliche Kunst, die medizinischen Möglichkeiten geradezu unbegrenzt erscheinen.

Andere Zeiten?

Durch die rasante Weiterentwicklung im medizinischen Bereich wächst die Erwartungshaltung in die Möglichkeiten und dennoch so viel Ärztepfusch? Es ist nicht mehr denkbar, dass die Heilung nicht, nur teilweise oder verzögert eintritt. Oft ist in solchen Fällen dann auch die Rede von Ärztepfusch. Bevor man also vom Ärztepfusch spricht, scheint es sinnvoll das Wort einmal auseinanderzunehmen. Pfusch beschreibt umgangssprachlich ganz allgemein mangelhafte Leistung in der Regel mit dem Hintergrund, dass der Ausführende nicht die nötige Qualifikation hatte. Damit ist der Begriff Ärztepfusch sehr wertend und beschreibt nicht mehr die Sachebene. Dies erscheint verständlich wenn der vermeintliche Ärztepfusch Tod, Schmerzen, Leid oder Krankheit als Ergebnis hat.

behandlungsfehlerÄrztepfusch – rechtlicher Gesichtspunkt

Der Begriff Ärztepfusch ist rechtlich so nicht vorgesehen. Man muss sich darüber im Klaren sein, dass der behandelnde Arzt mit seinem Behandlungsvertrag rechtlich einen Dienstvertrag mit dem Patienten eingeht. Das wiederum bedeutet, dass der Dienstverpflichte (Arzt) dem Dienstberechtigten (Patient) keinen bestimmten Erfolg (z.B. Gesundung oder Wiederherstellen/Erhalten bestimmter Körperfunktionen) schuldet – im Gegensatz zum Werkvertrag. Der Arzt schuldet dem Patienten die Erbringung der Leistung (Behandlung) die sich allerdings an den Regeln der ärztlichen Heilkunst zu orientieren hat. Wenn dies nicht der Fall ist, besteht für den Patienten ein Anrecht auch Schadenersatz.

Wenn der Gesetzgeber die rechtlichen Hintergründe so formuliert, dann ist der Behandlungserfolg keinesfalls garantiert und das Scheitern gewissermaßen inbegriffen. Dies scheint gerade beim Schlagwort Ärztepfusch schwer nachvollziehbar. Wesentlich ist aber, dass der Arzt mit seiner Behandlung einen nachweisbaren Fehler gemacht hat, gegen die Regeln der ärztlichen Kunst verstoßen haben muss. Dies ist durch einen Sachverständigen festzustellen. Dann ist auch nicht mehr die Rede vom Ärztepfusch sondern vom Behandlungsfehler.

Leider ist in der Praxis der Patient sein allererster Sachverständiger: Er merkt, dass etwas nicht richtig gelaufen ist und denkt an Ärztepfusch. Der Arzt seinerseits ist sicher von der Richtigkeit seines Tuns überzeugt – sonst hätte er die Behandlung ja nicht so durchgeführt und leugnet den Ärztepfusch. Schon die erforderliche Hinzuziehung eines Sachverständigen schafft damit einen Abstand zwischen den Vertragspartner die nun zu Gegnern werden. Wenn aus dem gefühlten Ärztepfusch plötzlich ein Behandlungsfehler wird kommt Unmut auf. Auch veröffentlicht die Boulevardpresse Tabellen zum Thema Ärztepfusch und Schmerzensgeld. Prompt kann der geneigte Leser am Frühstückstisch nachlesen wie viel Geld er für seinen Ärztepfusch einstreichen kann.

 

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